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The Drunken Dilettantes – Die Chronik

Die Chronik des Dilettantenfestivals ist nicht ohne die Geschichte der Dilettantes (für Dilettanten der englischen Sprache: gesprochen > dillätäns) zu verstehen. Wann „The Story of …“ begann, darüber kursieren in der Musikwelt allerdings mehrere Theorien.

Hier einige davon:
Die ersten Spuren der Dilettantes lassen sich datieren auf die Zeit vor ca. 25 Jahren zu Beginn der 80er des letzten Jahrhunderts, als die Vechteraner „Cave Scene“   in den Katakomben der MS 16 – einer legendären Studenten- und Polit-WG – mit ungewöhnlichen Tönen erstmals nach außen drang. Genervt von dem angepassten Geplärre der NDW (neue deutsche Welle) – was, bitte, war daran revolutionär ? –  begannen die Jungmusiker Drun an den drums und Di (nicht zu verwechseln mit dem englischen Prinzesschen) an den Tasten damit, mit Hilfe von Sperrmüll-Trommel und Schweine-Orgel ihr Verständnis von Gesellschaftskritik musikalisch auszudrücken. Die Kritik der Gesellschaft ihrerseits ließ nicht lange auf sich warten. Stellvertretend für sie versuchte eine in der Nachbarschaft lebende ältere Medizinerin, die Proben der Band durch Zusammenschlagen zweier Topfdeckel zu torpedieren, in der Hoffnung, den Rhythmus der Musiker mit einem Gegentakt zum Stolpern zu bringen und den Nachwuchskünstlern die Lust am Musizieren zu verderben. Ein – mit Verlaub – sinnloser Versuch, denn Taktgefühl und Rhythmus spielten in der Experimental-Mucke der Beiden eine ebenso große Rolle wie ordentlicher Sex im Leben eines presbyterianischen Predigers … . Das nachfolgende Angebot an die Allgemeinmedizinerin, Band-Mitglied zu werden (wegen der generationsübergreifenden message), wurde von dieser jedoch empört abgelehnt. Kurze Zeit später konnten die Proben nur durch den Einsatz von staatlicher Gewalt, verkörpert durch die örtlichen Polizeikräfte und im Dienste des Establishments, aufgelöst werden  – allerdings nur kurzzeitig ….. .  Denn eines war den potentiellen Hoffnungsträgern der damaligen Musikszene in diesem Moment klar geworden: mit dilettantischer Musik lässt sich nicht nur die Nachbarschaft, sondern gar das Staatswesen in Bewegung und Aufruhr bringen und sie sagten sich: „Lasst euch nicht entmutigen, spielt das, was ihr könnt und was ihr nicht könnt, das spielt auch – das ist der Weg !“

Und was an diesem Tag geschah, war …
… die Geburtsstunde der Dilettantes

… das heißt, also… man muss eher von der Frühgeburt sprechen, weil es handelte sich zunächst nur um eine Idee von Musik und die Idee war zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ins Bewusstsein gerückt und die Dilettantes als Band schon gar nicht.
Was war zum Beispiel mit den anderen aktuellen Bandmitgliedern Ken,  Antes und Lett.
Ken, der in den Tiefen Ostfrieslands in einem konspirativen Musikstudio noch konspirativere Songs aufnahm, Antes, der in Tanzbands den Marsch durch die Institutionen versuchte und Lett, der nach erlittener Folter in Kindheit und Jugend durch die Klavierlehrerin und später durch infernales gitarristisches Kirchentagsgeschrammel (ich sag nur Kumbayah…) in den musikalischen Widerstand ging.

Die Wurzeln der Band sind weit verzweigt und daher gibt es auch mehrere (Früh)-geburtsstunden.
Diese und die eigentliche Geburt der Band, warum auch schon mal 8 Leute auf der Bühne standen, warum die Drunken Dilettantes eigentlich Drunken Dilettantes heißen und wie es dann zum Dilettantenfestival kam, warum presbyterianische Prediger … aber das gehört eigentlich nicht hier hin … und was es sonst noch gibt, versuchen wir weiter zu recherchieren, um es Euch auf dieser Seite zu präsentieren.

Die Fortsetzung – warum erst jetzt ???
13. Juli 2014, sonntags.
Das Finale der Fußball-WM zwischen Deutschland und Argentinien befindet sich in der Verlängerung.
Die 113. Minute bricht an. Schürrle wird links in Höhe des Mittelkreises angespielt, sprintet an der Außenlinie entlang bis Strafraumhöhe, sieht den von halblinks in den freien Raum startenden Mario „Zeig’, dass du besser bischt als Messi“* Götze *(Zitat Jogi Löw bei dessen Einwechselung), flankt zwischen zwei ihn bedrängenden argentinischen Gegenspielern hindurch. Götze nimmt den Ball mit der Brust an und… „Mach’ ihn … maaach ihn ! (Stimme des Fernsehreporters Tom Bartels überschlägt sich. Vgl. auch ähnliches Ereignis 1954: Rundfunkreporter Herbert Zimmermann anlässlich des WM Endspiels Deutschland gegen Ungarn: „Rahn schießt – Toor!! Tooor!!! Toooor!!!! Tooooor!!!!!! …halten sie mich für verrückt…“ usw.) … er maaaacht iiihn !!!“

1 : 0 … .

10 Minuten später – derweil wurde Schweini weiter filetiert und Messi sandte, wenn schon kein Stoßgebet, so doch einen grottenschlecht geschossenen Freistoß (Vgl. auch ein ähnliches Ereignis am 16. Juni 2014: Christiano „Gib mir mein Haar-Gel zurück – menno, äy“ Ronaldo vollbringt das zirkusreife Kunststück, die Ein-Mann-Mauer, bestehend aus dem kleinen Philipp – seine Eltern mögen ihn endlich aus der Klugscheißer-Ecke abholen – Lahm haargenau zu treffen) gen Firmament zum Namensvetter Messi-As – also …äh, 10 Minuten später ist Deutschland Fußballweltmeister !

„… und was soll das mit der Chronik zu tun haben …???“

Gehen wir zurück in das Jahr 2004, es ist November, das 2. Dilettantenfest ist gerade beendet:
Der Chronist – Mitglied der Drunken Dilettantes – ist noch immer fasziniert vom eigenen Auftritt. Offenkundig leidet er an Selbstüberschätzung und Realitätsverlust. Überschwemmt von Grandiositätsgefühen lässt er sich zu den an Anmaßung kaum zu überbietenden Ausruf verleiten: „Chroniken nur denen, denen Chroniken gebühren!“ Dann: „Ich schreibe erst weiter, wenn wir den Grammy für innovative Musik in den Händen halten … also spätestens nächstes Jahr …“ – völlig verdrängt waren die Schmährufe aus dem Publikum noch während des Auftritts („Aufhören!“, „Wer schaltet endlich den Strom ab!“, „Schmerzensgeld, Schmerzensgeld …“ aber dazu später mal) – um dann noch hinzu zu fügen: „… oder dann wenn Deutschland Fußball-Weltmeister wird!“, was aber aufgrund des desolaten Zustandes der Nationalmannschaft der späten Völler-Ära und ihres blamablen Abschneidens bzw. Ausscheidens während der EM 2004 in der Vorrunde (0:0 gegen Lettland, gegen Lett-land !!! ……) auf Jahrzehnte ein Ding der Unmöglichkeit zu sein schien.

14. Juli 2014, 9.00 Uhr
Noch berauscht vom gestrigen Titelgewinn und der anschließenden Fete wacht der Chronist am nächsten Morgen auf. Doch in die Euphorie des Vorabends zwängt sich unwillkürlich ein noch nicht fassbares aber umso unangenehmeres Gefühl. Dieser „Da-war-doch-noch-was“-Gedanke bohrt sich immer stärker in die Hirnmasse und tritt schließlich deutlich ins Bewusstsein.

„Ach du Scheiße, Weltmeister … die Chronik, oh no !!! … und zwar die ganze Wahrheit …au Backe.“.

Die schmerzhaften Erinnerungen an das Geschehen nach dem Dilettantenfestival 10 Jahre zuvor kommen wieder zum Vorschein: der 6-wöchige Psychiatrieaufenthalt in einer von presbyterianischen Predigern geleiteten Therapieeinrichtung, Musiktherapie („Streichel deine Gefühle“) statt Grammy-/ Music- Award, die „Die Realität und sich selbst akzeptieren-Gruppe“ statt Träume vom großen Durchbruch haben dürfen, die Elektroschocks, wenn wieder mal ein mit Fantasie gefüllter Gedanke ausgesprochen wurde … . genügend Stoff, um einen Rosamunde-Pilcher-Roman zu füllen. „Vielleicht …“ denkt der Chronist „… sollte ich lieber mein Leben verfilmen.“ (Ein wie wirklich erlebter 220 Volt-Schlag schießt strafend durch den Körper – Pavlov hat mal wieder zugeschlagen – die Therapie war erfolgreich .). „O.k., o.k., peace ey ….ich halt’ schon mein Versprechen.“ Eingeschüchtert setzt sich der Chronist an den Tisch, nimmt ein Blatt Papier, einen Stift und schreibt ….

“The true Story of the Drunken Dilettantes and of the Dilettantenfestival”
– Fortsetzung vom November 2004 –

Wie die Drunken Dilettantes zu ihrem Namen kamen:

Das 2. Jahrtausend neigte sich dem Ende zu, als die Nachwuchskünstler Ken, Di, Drun, Antes und Lett sich trafen, um dem von vielen Weissagern prophezeiten Weltuntergang mit einer neuen musikalischen Kunstform die richtige Würze zu geben. „Wenn schon Weltuntergang, dann infernalisch begleitet“ (infernalisch: von“ infernalis“ → unterirdisch; laut Langenscheidt Wörterbuch: „von großer Scheußlichkeit, unerträglich“), so die Devise der fünf. Schnell einigte man sich auf diesen Stil. Ein größeres Problem stellte sich jedoch mit der Namensfindung. Der Vorschlag, aus den Vornamen einen Bandnamen zu erstellen, wurde als bekloppt verworfen. Wer kann sich schon eine Band merken, die „Kendi lett drun antes“ heißt, höchstens Nord-Norweger, Albaner oder Ostwestfalen. Außerdem tummelten sich zu jener Zeit noch ein paar andere Künstler und -innen in der Kombo, die sich entsprechend hätten benachteiligt fühlen können, wenn sie nicht berücksichtigt worden wären, so dass der bandeigene Gleichstellungsbeauftragte diese Idee verwarf („das gibt doch nur Ärger“).
Also musizierten (wenn man das so nennen kann) sie munter drauf los, vergaßen dabei ihre ursprüngliche Bandnamenssuche und dennoch geschah es… aber hören wir doch mal rein in den entscheidenden, für die Band typischen Übungsabend ….

Instrumente spielen durcheinander, Bass (Antes) und Gitarre (Ken) versuchen ihre Klampfen zu stimmen, Keyboard spielt vor sich hin … „Hey Di, kannste mal die Orgel leiser oder am besten ganz …, eben mal, wir können sonst die Instrumente nicht …hör ma jetz auf !!!“ Klampfen stimmen das tiefe E, fangen dann mit dem a an …Druns Drums erklingen lautstark, das Keyboard steigt ein, der Sänger (Lett) sucht in seinen Unterlagen nach Texten „geiler Sound, da würd’ wohl was von STOPPOK drauf passen“, die Klampfen versuchen sich am d … „RUUHÄÄÄ !!!“ Drums und Orgel hören auf, Lett brummt sich was in den Bart… „Wir könnten ja auch eigene Texte …“, „Jou, so was mit Baudelaire, so auf intellektuell, Sartre und so, das muss da drin vorkommen …“ „Jou, so ohne Sinn, dann suchen die Leute erst recht danach …“ Klampfen scheitern am g, überlassen die restlichen Saiten sich selbst und stimmen einen Blues an, Keys und Drums nehmen ihren vorherigen Sound wieder auf, wirres Durcheinander, Lett ist begeistert „äy geil, mit Gegentakt …“, Ken unterbricht sein Spiel, „Wir müssen das mal ein bisschen zusammen kriegen, konservieren oder so, da mal mehr Struktur …, nich? …, das ist doch echt dilettantisch, was wir hier …“ Schweigen …….., dann Proteste: „Hey, wir sind doch keine Dilettanten …“ wieder Schweigen … gegenseitiges Anstarren …Grinsen …übereinstimmendes Geiern …“Genau das isses, die Dilletanten, wie wird das überhaupt geschrieben?“ „Dille* Tanten**? “ (*Dille (umgamgssprachlich): alte Vechteraner Schüler- und Studentenkneipe, **Tussen, die in den 80ern in der Dille verkehrten, …höhö … verkehrten, höhö), „Nee, anners, kuck mal in’n Duden, und wenn schon, dann englisch, wegen der internationalen Karriere, verstehste?.“ Di ist schon ganz euphorisch, die anderen sehen ihn besorgt an. „Nun mal Schluss mit den Fantastereien, Di, sonst müssen wir dich noch eines Tages mit ’nem Elektroschocker auf den Boden der Realität bringen, aber englisch is wääry gutt, yeah …super äy, jou, The Dilettantes !“

Das also war die Geburtstunde der „Dilettantes“ – aber der Abend war noch nicht zu Ende …

„ … noch’n Bier ?, o.k. , eins, zwei … fünf … versoffener Haufen !“ Die Instrumente erklingen wieder, von Struktur redet keiner mehr, Antes versucht noch, einen neuen Basslauf rüber zu bringen, Di hat da noch eine Melodie, Drun will Beides mit einem Sambarhythmus kombinieren, Ken hat einen irren Sound für seine Gitarre gefunden, dann aber doch wieder den falschen Knopf am Verzerrer gedrückt, weg isser, der Sound („Welche Nummer hatte ich noch g’rad …?), Lett hat einen Text gedichtet und singt inbrünstig (oder eher brünftig) „Mach mir den Baudelaire, jou, mach mir den Sartre, jou jou jou …“ und hat auch schon einen Titel für den Song (welchen Song ????) in petto: „Warum ich nicht Simone de Beauvoir sein will“. Das Bier fließt weiter in Strömen. Die Jungs sind von ihrer Musik (wie gesagt, wenn man das so nennen darf – man hat sich die Abfolge von Geräuschen inzwischen schön gesoffen, oder – um es mit dem Schriftsteller Frank Schulz zu sagen: “Die Notenfolge sähe aus wie von ’nem Prostatakranken in den Schnee gepinkelt.“) immer begeisterter, „echt, äy, voll die innovavi…, innovava …, invovalide Mucke, nä, … holst noch ma’n ’paar Bils.“ „ Nö du, hol’ ma’ selber, du büst ja schon voll besoff’n, ’n besoffna Dilledingsbums, ach ja, wir wollt’n ja in inglisch, genau, du büst’n krank’n, nee, ’n drank’n Dillebums, jou, genau das isses, wir sind: ‚Wä Drankän Dillä…ä…ngss’. (Wer den Dialog führte, lässt sich nicht mehr genau zuordnen).

Das also war die Geburtstunde der „Drunken Dilettantes“. – Bestimmt flog genau zu diesem Zeitpunkt irgendein Komet mit einem langen Schweif an unserem Heimatplaneten vorbei und sah zu, dass er bloß schnell wieder wegkommt, als er die „Musik“ hörte, oder ein Vulkan erbrach sich, die Erde mag gebebt haben, – egal -, die Jungs hätten es eh nicht gemerkt. Doch was einige Jahre später folgte, sollte alle möglichen Naturereignisse völlig in den Schatten stellen.

Fortsetzung folgt — Fortsetzung folgt evtl. — Fortsetzung folgt vermutlich dann erst, wenn Deutschland die nächste Fußball-Europameisterschaft gewinnt — Fortsetzung folgt schon eher, wenn weitere Elektroschocks … Fortsetzung erfolgt vielleicht schon nach dem nächsten Dilettantenfestival …

Und hier noch ein sinnvoller Link